Kreuz und quer durch Faerûn

 

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Kapitel 3, 1.


Zufrieden strich Cernd mit dem Daumen die Klinge seines Zweihänders entlang. Das Schärfen und Pflegen seiner Waffen war ein altes Ritual, das sein Leben schon sehr lange begleitete. Dann nahm er einen Lappen, träufelte ein paar Tropfen Öl darauf und rieb die Klinge fast zärtlich damit ab. Als er diese Arbeit beendet hatte, verstaute er das Schwert und legte die Hände in den Schoß.
Und jetzt? Die beiden ließen sich verdammt viel Zeit. Es mussten jetzt schon mindestens 4 Stunden vergangen sein, seit sie so überstürzt aufgebrochen waren. Atkatla war groß. Aber er konnte sich nicht vorstellen, dass man 4 Stunden brauchte, um einen Tempel zu erreichen, von dem man wusste, wo er war. Nach einem kontrollierenden Blick auf den geflügelten Wurm des Hexenmeisters legte er die Beine hoch und wartete. Das Biest hatte doch tatsächlich versucht, es sich auf ihm bequem zu machen, als er schon fast wieder eingenickt war. Natürlich hatte er es fortgeschubst…wohl mit etwas zu viel Kraft. Denn der Pseudodrache war kreischend gegen einen Bettpfosten gedonnert und hatte sich nun so weit entfernt wie möglich auf einem Stuhl zusammengerollt. Schritte auf dem Gang rissen ihn aus den Gedanken. Kurz darauf ging die Tür und die beiden Spaßvögel, die sich seine Gefährten schimpften traten ein. Aber sie waren nicht allein.
5.12.06 09:43


Kapitel 3, 2.


Vandra öffnete die Tür zu ihrer Kammer. Auf dem Weg hierher hatte sie sich ernsthaft gefragt, wofür sie Cernd überhaupt brauchten. Es würde ein Wunder sein, wenn Taranis nicht einfach schreiend weglief, wenn er ihn sah. Überaus schonend erzählte sie ihm auf dem Weg zur Kupferkrone ein paar Dinge über den Krieger, ließ dabei allerdings freilich ein paar Kleinigkeiten weg und beschönigte anderswo ein klein wenig.
"Hallo, Cernd", begrüßte sie ihn übertrieben fröhlich, um ja kein Misstrauen in Taranis zu wecken. "Wir haben gute Neuigkeit! Das hier ist Taranis, Priester des Helm und unser neuer Partner. Er hat uns viele wichtige Informationen geben können und hat auch schon eine heiße Spur, der wir folgen können", verkündete sie strahlend. "Taranis, das ist Cernd."
Der Priester trat vor und reichte dem Mann, der einen guten Kopf größer war als er selbst, die Hand. "Helm zum Gruße. Vandra hat mir schon einiges von Euch erzählt", erkärte er mit ruhiger Stimme, während er sein Gegenüber kritisch, aber nicht unfreundlich, musterte.
"Taranis sucht seinen Bruder, Arad", plapperte Vandra derweil von der Tür aus weiter, "Er und Nalia waren, sind, nun ja, eng befreundet, wenn man so will. Jedenfalls ist er ebenso verschwunden wie sie und da sie mit einem Roenal verlobt war, wie hieß er noch gleich?" "Isaea", warf Taranis über die Schulter ein. "Ah ja, genau, deswegen hielten wir es für richtig, zu überprüfen, ob sich dort nicht ein paar Hinweise finden und tatsächlich wäre der Ball heute Abend doch genau die richtige Gelegenheit dafür, nicht?", trällerte sie.
5.12.06 10:10


Kapitel 3, 3.


Als die drei eingetreten waren, hatte sich Cernd erhoben. Vandra war beunruhigend fröhlich, als sie eintrat, und übergoss Cernd mit einem Wortschwall, der ihn misstrauisch machte. Er hörte dem Geplapper der Diebin nur halb zu und musterte stattdessen den Neuankömmling. Er war recht jung. In Nashkell hatte es auch einen Helm-Tempel gegeben. Und besonders die jungen Priester zeichneten sich durch großen Stolz und nicht minder große Überheblichkeit aus. Besonders, wenn sie es mit den Söldnern der flammenden Faust zu tun bekamen. Dieses Exemplar allerdings trat ihm vorsichtig, aber nicht respektlos entgegen. Cernd nickte und schüttelte dem Fremden die Hand. Der Krieger fragte, was die Diebin ihm wohl so alles von ihm erzählt hatte... so gesehen kam ihm die durchaus freundliche Haltung des Priesters noch ungewöhnlicher vor. Als er sich auf diese Weise fragte, was er von seinem Gegenüber halten sollte, drang ein Wort an sein Ohr, dass ihn Stirn runzelnd zu der Diebin blicken ließ.
"Ball? Welcher Ball?"
5.12.06 17:46


Kapitel 3, 4.


Taranis stutzte. Offenbar wusste Cernd nichts von diesem Ball. Es war ihm gleich seltsam vorgekommen, dass Vandra so gezögert hatte, als er zu diesem Thema gekommen war. Irgendetwas war an dieser Situation falsch gewesen, aber er konnte es nicht in Worte fassen, zumal er jetzt nicht dazu kam, sich genug zu konzentrieren, denn er war vollauf damit beschäftigt zu hoffen, dass der riesige Mann vor ihm ihm nicht die Hand brechen würde.
"Naja, der Ball...", hörte er Vandra hinter sich ungeduldig mit einer Erklärung beginnen, "Bei den Roenals. Wir mischen uns unters Volk und schauen uns ein wenig um."
"Fürst Roenal gibt einen Ball zum achzehnten Geburtstag seiner jüngsten Tochter", erklärte der Priester mit ruhiger Stimme. "Eure Gefährtin hat zugesagt, uns Einladungen zu diesem Ball zu verschaffen", ergänzte er und je mehr er darüber nachdachte, desto schlechter klang die Idee in seinen Ohren. Er bewegte sich hier ganz klar an der Grenze zur Kriminalität, war selbst kriminell, wenn man die Tatsache außer Acht ließ, dass er die dreckige Arbeit anderen überließ. Aber sonst blieben ihm kaum mehr Möglichkeiten offen, nach seinem Bruder zu forschen.
"Und sie hat zugesagt, dass keiner zu Schaden kommt", setzte er überlegend hinzu und musterte den Krieger vor sich besorgt. "Alle Spuren führen zu den Roenals und dies ist die einzige Möglichkeit, den Verdacht aus der Welt zu räumen." Wollte er eigentlich seine neuen Partner überzeugen oder sich selbst?
7.12.06 19:58


Kapitel 3, 5.


Cernd biss die Zähne zusammen, ließ die Hand des Priesters fahren. und verschränkte die Arme vor seinem mächtigen Brustkorb.
"Ach, das hat sie euch also alles zugesichert, ja?"
Er funkelte die Diebin böse an. Ein Ball... Und sie sollten da hin gehen... Er sollte da hin gehen? Niemals!
"Mal abgesehen davon, dass ich mit deinen Zusicherungen etwas vorsichtiger wäre... Sind die Roenals zufällig blind? Selbst wenn wir an Einladungen kämen, würden sie sich nicht wundern, warum sich ihre Vettern und Tanten in... uns verwandelt haben?"
8.12.06 17:22


Kapitel 3, 6.


Musste er alles so kompliziert machen? Vandra verdrehte genervt die Augen. "Habt Ihr eine bessere Idee? Ich meine, außer den Vormittag auf der faulen Haut zu liegen, andere arbeiten zu lassen und Euch dann zu beschweren?" Sie hob beschwichtigend die Hand, ehe er sich bemüßigt fühlen würde, wieder aufzubrausen, und fuhr in betont gelassenem Tonfall fort:
"Das kriegen wir schon hin. Die Wachen der Roenals werden in unregelmäßigen Abständen gedungen", wusste sie, "und dürften kaum die gesamte Verwandtschaft kennen, die alle zwei Jahre mal zu Besuch kommt. Und wenn wir einmal drinnen sind, halten wir uns eben von den Roenals selbst fern und denken uns vorher eine gute Geschichte für die restlichen Gäste aus." Sie trat näher an Taranis und Cernd heran und erklärte: "Also ein bisschen mehr Kreativität und Tatendrang, wir müssen schließlich Nalia finden und" Sie klopfte dem Priester jovial auf die Schulter. "Arad ebenfalls."
8.12.06 17:37


Kapitel 3, 7.


Oh, wie er diese verdammte Diebin hasste. Sie war durchtrieben. Sie war falsch. Und sie hatte irgendwo Recht. Das war das Schlimmste.
Es war zumindest eine Spur. Cernd fragte sich einen Moment lang, ob er sich wieder irgendwie abseilen könnte. Aber die Chancen waren wohl gering. Nachdem er den Blondschopf noch eine Weile säuerlich angestarrt hatte, biss er die Zähne zusammen und gab auf.
Es war ja nur ein Abend, versuchte er sich aufzumuntern. Wahrscheinlich ein sehr langer und peinlicher Abend... Aber hey. Was tat man nicht alles, um über die Runden zu kommen? Er seufzte widerstrebend.
"Verdammt. Macht doch, was ihr wollt. Bringen wir es hinter uns. Geh mir aus den Augen und 'besorg' die verdammten Einladungen." Er packte sie am Arm und beugte sich zu ihr herunter. "Aber stell dich etwas geschickter an als letztes Mal, hörst du?"
Er ließ die Diebin los. Seine Blicke trafen sich mit denen des Priesters. Er fragte sich, wie diese Szene wohl auf ihn gewirkt haben mochte.
8.12.06 18:36


Kapitel 3, 8.


Sie hatte schon wieder ein Rededuell gewonnen, stellte Vandra zufrieden fest. Er machte es einem aber auch zu einfach. Allerdings war er ein schlechter Verlierer. Vandra fragte sich einen Augenblick lang, ob sie nicht lieber etwas kürzer treten sollte. Aber wirklich nur einen Augenblick lang. Danach war sie sich wieder sicher, dass sie sich nicht so einfach geschlagen geben konnte, nur weil er größer und stärker war als sie und ihr vermutlich mit einer kleinen Handbewegung mehrere Knochen brechen konnte. Schließlich leistete sie hier einen entscheidenden Beitrag.
"Ihr braucht mir nicht zu drohen", beschwerte sie sich, "Ich will schließlich auch, dass wir den Auftrag so schnell wie möglich hinter uns kriegen."
Sie ging wieder ein paar Schritte in Richtung der Tür und erklärte dann: "So, und ich geh jetzt die Einladungen holen. Ihr könnt die Zeit ja irgendwie sinnvoll nutzen. Wegen der Geschichte, die wir Roenals Gästen erzählen. Und Taranis, vielleicht könnt Ihr den beiden ein paar Manieren beibringen." Sie sah Cernd noch einmal herausfordernd an und drehte sich dann um, um zu gehen.
8.12.06 20:03


Kapitel 3, 9.


"Oh, Vandra?", warf Taranis der blonden Frau hinterher und fuhr dann fort, als sie sich umdrehte: "Es wird keiner zu Schaden kommen!", ermahnte er sie. Sie grinste und trällerte "Natürlich nicht!" und verließ den Raum.
Kopfschüttelnd sah er ihr hinterher. Er hatte ja gehofft, sich geirrt zu haben, aber inzwischen war er sicher, dass sein Verdacht richtig war. Und das ihm. Ausgerechnet. Er hatte ja schon lange gebetet, dass die Götter ihm Hilfe schicken mochten, damit er seinen Bruder fand. Aber mit dieser Antwort hatte er nicht gerechnet. Ein wenig resigniert drehte er sich zu Cernd und Xian um.
"Sie ist eine Diebin, richtig?", fragte er unglücklich.
8.12.06 20:12


Kapitel 3, 10.


Xian kicherte und räusperte sich, während der Krieger nur bestätigend seufzte.
"Ja, das ist sie." Während zur anderen Seite des Zimmers ging und sich auf einem Bett niederließ, trat Xian näher an dien Helmiten heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr:
"Und jetzt ratet mal, wer von ihr als letztes bestohlen wurde." Belustigt stieß er dem Priester mit dem Ellenbogen gegen die gepanzerten Rippen und machte eine nickende Bewegung mit dem Kopf in Cernds Richtung. Sein Ellenbogen kam etwas zu hart auf, rutschte ab und seine Finger begannen zu kribbln. Das war nicht so klug gewesen....
8.12.06 20:46


Kapitel 3, 11.


Überrascht zog Taranis die Augenbrauen hoch. "Obwohl sie Partner sind?!" Das war ja unerhört, war es nicht eines der größten Verbrechen, auch innerhalb von Verbrechern, wenn man seine Partner bestahl? "Was war denn so wertvoll oder wichtig, dass sie ein solches Verbrechen begehen würde?"
8.12.06 21:06


Kapitel 3, 12.


"Nun, das weiß ich auch nicht so genau, aber damals waren sie noch keine Partner. Das wurden sie... wir erst vor kurzem. Der Zufall hat sie aneinander geraten lassen, der Zufall hat uns auf der Festung Arnise wieder vereint."
Nun... bei ihm war es weniger Zufall als Hartnäckigkeit gewesen. Aber das brauchte Taranis ja nicht zu wissen.
"Keiner der beiden war sehr erfreut darüber. Aber... Macht Euch von Cernd kein falsches Bild", fügte er etwas hektischer hinzu, als er bemerkte, dass Cernd in ihre Richtung starrte.
"Er ist etwas jähzornig manchmal aber im Grunde seines Herzens ein guter Mensch."
Xian lächelte dem Söldner unbeholfen entgegen. Und wurde abgelenkt, als seine kleine Gefährtin verschlafen auf seinen Schoß kroch und sich dort wieder zusammenrollte.
8.12.06 21:21


Kapitel 3, 13.


"Oh, er ist es weniger, um den ich mir Gedanken mache", erklärte Taranis nachdenklich. Es war ja kein Wunder, wenn er nicht gut auf Vandra zu sprechen war, wenn sie ihn bestohlen hatte. "Aber dass wir eine Diebin in unseren Reihen haben, finde ich sehr bedenklich. Können wir ihr wirklich trauen? Woher wissen wir, dass sie uns nicht verrät? Bei der erstbesten Gelegenheit einen Vorteil ausnutzt und sich davonstiehlt? Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken", erklärte er frei heraus. Dann stutzte er, musterte Cernd und dann Xian noch einmal eindringlich. "Was ist mit Euch?", verlangte er dann zu wissen. "Was habt Ihr beide auf dem Kerbholz? Ich möchte wissen, mit wem ich zusammenarbeite."
8.12.06 21:29


Kapitel 3, 14.


Cernd schnaubte. "Ich glaube nicht, dass sie gegen uns arbeiten wird. Sie ist durchtrieben, aber nicht dumm. Aus irgendeinem Grund braucht sie in absehbarer Zeit eine Menge Gold. Und das bekommt sie, wenn sie diesen Auftrag mit uns erledigt. Und wer weiß, wo uns der noch hinführt? Sicherlich ist sie in der Stadt gut in der Lage, auf sich selbst aufzupassen. Aber ohne mich wäre sie ja schon daran gescheitert, überhaupt wieder unversehrt nach Atkatla zurückzukehren. Wir wurden von Hobgoblins angegriffen. Spätestens dort wird sie unsere Unterstützung schätzen gelernt haben.
Ich komme aus Nashkell und habe dort als Söldner in der Flammenden Faust gedient, bis ich mich... entschieden habe, allein zu arbeiten. Ich weiß, wie man sich diese lästigen Biester vom Hals hält. Es gab Zeiten, da hat es von Hobgoblins im Norden nur so gewimmelt."
Xian nickte eifrig. Und wandte sich an Taranis. "Oh ja. Das kann er gut. Als er nach Arnise aufgebrochen ist, hat er bereits mich vor den Monstern gerettet. Wenn er nicht wäre, würde ich jetzt irgendwo im Wald herumliegen."
Cernd grinste. Das hätte sicher eine Menge Nerven erspart.
Xian fuhr indessen fort: "Ich komme übrigens aus Niewinter und bin meines Zeichens Hexenmeister."
8.12.06 22:16





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