Kreuz und quer durch Faerûn

 

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Kapitel 2, 43.


Cernd kniff die Augen zusammen und musterte Vandra einen Moment lang. "Tja. Müde sind wir alle, denke ich." Er griff nach dem Geld des Fürsten, holte ein paar Münzen hervor und ließ sie in Vandras Hand fallen.
"Seht, was Ihr damit ausrichten könnt. Falls das nicht reichen sollte, um die Zunge Eurer Informanten zu lockern, dann bringt sie zu mir." Er grinste und ließ seine Finger knacken.
"Was man Euch nicht sagen will, bekomme ich vielleicht heraus. Ich kümmere mich nur schnell um ein Zimmer. Dann findet ihr mich an dem Tisch da hinten."
Cernd klopfte der Diebin auf die Schulter und machte sich dann mit Xian auf den Weg zum Wirt. Bernard hatte sie bereits bemerkt. Er warf dem Krieger einen finsteren Blick zu.
Cernd fluchte innerlich. Die Sache mit dem gestörten Pärchen und dem zerbrochenen Stuhl hatte sich wohl herumgesprochen...
Bernard verschränkte die Arme vor seinem Bauch, hörte sich ihr Gesuch an und schüttelte den Kopf. "Nein! Ihr könnt gleich wieder verschwinden. Auf weiteren Trubel mit Euch kann ich gut verzichten."
Cernd runzelte die Stirn."Ist das nicht ein bisschen hart für einen zerbrochenen Stuhl? Ich ersetze ihn auch gern."
"Ach was der Stuhl! Der ist mir völlig egal. Was mir allerdings nicht egal ist, ist, dass Ihr einen meiner wichtigsten und zahlungskräftigsten Kunden dabei gestört habt, seine... geschäftlichen Beziehungen auszubauen."
Cernd stieg die Zornesröte ins Gesicht. Wofür hielt sich dieser Fettwanst eigentlich? Sie waren hier in einer heruntergekommenen Spelunke in den Slums. Nicht in einem feinen Lokal im Regierungsviertel. Bernard tat gerade so, als habe es in der Kupfekrone noch nie eine Schlägerei gegeben
"Ach wirklich? Daran seid Ihr doch selbst Schuld. Wenn ihr nicht so viel Diebesgesindel hier dulden würdet, wäre ich Eurem besonderen Kunden auch nicht auf die Füße getreten."
4.7.06 21:19


Kapitel 2, 44.


Bernard wollte gerade zu einer scharfen Antwort ansetzten, als Xian sich dazwischen schob.
"Nun, was passiert ist, ist schlecht wieder gut zu machen. Aber ich versichere Euch, dass mein Freund sich ab heute besser benehmen wird. Ihr habt ja selbst aus seinem Munde gehört, dass er nie grundlos zornig wird. Von Dieben haben wir diesmal wahrlich nichts zu befürchten, haben wir doch selbst ein Mitglied der Diebesgilde in unseren Reihen. Ihr seht also, die Gefahr ist gebannt. Wir sind nicht anspruchsvoll. Und zahlen gut. Unser Goldbeutel mag nicht annähernd so prall sein, wie der Eures geschätzten Besuchers, aber ein kleiner Verdienst ist besser als gar keiner, oder?" Xian setzte wieder dieses freundliche und entwaffnende Lächeln auf.
Der Wirt kniff die Augen zusammen. "Na gut. Aber seid Euch sicher, dass ich Euch im Auge behalten werde. Aber ihr werdet Euch ab jetzt von den hinteren Räumen fern halten."
Cernd schnaubte, war aber klug genug, kein Widerwort zu geben.
Bernard rief einen Jungen herbei, der sie auf ihr Zimmer führte. Es lag weit unten im Keller. Es war klein schäbig und viel zu teuer. Aber immerhin hatten sie einen Ort, um sich auszustrecken. Und das war es, was der Magier als nächstes tat. Cernd bedankte sich mit einem knappen Wort und machte sich wieder auf den Weg nach oben.
4.7.06 21:23


Kapitel 2, 45.


Vandra beäugte die Münzen, die Cernd ihr zugeworfen hatte, kritisch. Das würde reichen, um sich einen Met zu bestellen, aber um Informationen zu bekommen? Sie verzog abschätzig das Gesicht, als sie plötzlich am Handgelenk ergriffen wurde. Instinktiv schloss sich ihre Faust um die Münzen, damit sie ihr nicht runterfielen, und ebensoschnell schaffte sie es, ihren Arm mit einer kleinen Drehung wieder freizubekommen. Als ihr Blick auf ihr Gegenüber fiel, erstarrte sie jedoch.
"Oh Mann!", beschwerte sie sich. Musste der Kerl seine Augen denn unbedingt überall haben?!
"Wieder im Lande, Vandra?", grinste Kretor breit. "Und ich sehe, du hast mir was mitgebracht. Nicht viel, aber ein weiterer Schritt auf dem Weg zu deiner Schuldenfreiheit. Wenn du dann bitte so freundlich wärst..." Nun war es an ihm, die Hand fordernd auszustrecken.
"Och nö!", protestierte sie schmollend, "Das hier ist wichtig! Du weißt doch, dass man manchmal etwas investieren muss, um etwas Größeres zu gewinnen. Das hier ist meine Investition!"
"Das hast du schon die letzten Male gesagt, Vandra, wir haben dir schon lange genug Aufschub gewährt. Es bräuchte schon eine sehr gute Ausrede diesmal."
"Und die hab ich auch!", erwiderte Vandra, "Wirklich! Ein Auftrag, sehr ertragreich, und praktisch ohne Risiko!"
Einen Augenblick lang sah Kretor sie unwillig und forschend an, dann zog er sie an einen der etwas abseits stehenden Tische und meinte: "Na schön, du hast eine Minute, um mich zu überzeugen."
"Es ist ganz einfach", begann Vandra, nachdem sie sich gesetzt hatten, und fuhr dann bedeutungsvoll fort: "Fürst D'Arnise persönlich hat mich beauftragt, seine Tochter zu finden. Wenn ich das geschafft habe, kann ich die Schulden auf einen Schlag zurückzahlen. Ich brauche nur ein wenig Schmiergeld. Wobei mir einfällt: Du hast doch eigentlich deine Augen überall, hast du sie nicht zufällig gesehen?"
Kretor schwieg. Nachdenklich, aber offensichtlich auch über so viel Dreistigkeit verdutzt. Abwartend sah Vandra ihn an. Sie wusste, dass er wusste, dass er das Geld viel eher wiedersehen würde, wenn er ihr half, auch wenn ihm sicher nach anderem zumute war.
"Ich hab sie das letzte Mal vor über zwei Zehntagen hier gesehen. Und ich habe keine Ahnung, wo sie ist", antwortete er schließlich und Vandras Hoffnungen sanken ins Unermessliche. Wenn nicht einmal Kretor es wusste, wie konnte sie Nalia dann jemals finden?
"Aber du bist nicht die einzige, die das wissen will. Seit einer Weile kommt hier noch jemand her, der ab und an nach ihr fragt." Vandra wartete, ob er noch mehr sagen würde, und fragte dann ungeduldig nach: "Wer?!"
Wortlos streckte Kretor die Hand aus, woraufhin Vandra ihm verärgert die Münzen in die Hand drückte.
"Ein junger Priester des Helm", antwortete er dann und gab ihr die Beschreibung. "Und damit wolltest du jemanden bestechen?!", fragte er ungläubig mit einem Blick auf das Geld. "Frag nicht", antwortete sie augenrollend, "Ich habe das Los gezogen, mit einem Oger zusammen reisen zu müssen. Und einem Magier, aber der ist eigentlich ganz in Ordnung." "Tja, wenn du Geld hättest, ließe sich das ja beheben...", stichelte Kretor.
"Oh, bring mich nicht auf dumme Ideen", knurrte sie zurück. "Also: Wo finde ich diesen... Taranis, sagtest du? Wo finde ich ihn?"
"Wo wird man wohl einen Priester des Helm finden, hm?" Sie hob abwehrend die Hände. "Hey, es hätte ja sein können. Tja, dann mach ich mich am besten gleich mal auf den Weg", meinte sie und stand auf. "Äh, Vandra?" "Hm?" "Taranis dürfte sehr viel besser auf dich zu sprechen sein, wenn du ihn nicht aus dem nächtlichen Schlaf reißt." "Oh", machte Vandra und setzte sich wieder. "Frühaufsteher, hm?" Auf sein Nicken hin seufzte sie: "Ich würde sehr viel besser auf ihn zu sprechen sein, wenn er mich nicht aus dem nächtlichen Schlaf reißen würde... Ich hoffe wirklich, dass er uns auch weiterhelfen kann." "Das solltest du auch", erwiderte Kretor und stand nun seinerseits auf. "Du hast dein Glück schon lange genug strapaziert. So, dann geh ich mal wieder an die Arbeit. Lass dir mit deinem Auftrag nicht zu viel Zeit!" "Sicher. Viel Erfolg. Und danke, dass du mir immer den Rücken freihältst", strahlte sie ihn an. Kretor verdrehte die Augen und verließ die Kuperkrone. Vandra überlegte, sich noch einen Met zu bestellen, schätzte aber, dass Bernard ihr sicher nicht noch mehr Kredit einräumen würde. Dass sie das letzte Mal bezahlt hatte, war eine ganze Weile her. Und da es überdies auch schon recht spät war, wenn man bedachte, dass sie morgen ja eher aufstehen wollte, beschloss sie, ganz langweilig ins Bett zu gehen.
Sie fragte Bernard nach der Unterkunft und betrat kurz darauf das Zimmer.
9.7.06 17:58


Kapitel 2, 46.


Etwas Raues strich an Xians Wange entlang. Murmelnd drehte er sich auf den Rücken und schlief weiter. Doch das raue Etwas kam wieder. Diesmal legte es sich auf sein ganzes Gesicht und drückte ihm die Luft ab. Prustend und plötzlich hellwach richtete sich Xian auf und griff nach dem störenden Objekt, entfernte es von seinem Gesicht und blickte ihm vorwurfsvoll entgegen. Seine Pseuodrachin zirpte leise und glotzte zurück. Xian seufzte. Er konnte diesen robinroten Äuglein einfach nicht böse sein. Er nahm seine tierische Vertraute wie ein Baby in den Arm und kraulte ihr den Bauch, wofür er ein wohliges Schnurren erntete. Ein grummelndes Geräusch aus seiner Magengegend mischte sich darunter.
Der Magier blickte sich im Zimmer um und stellte fest, dass seine beiden Gefährten noch im Reich der Träume weilten. Kurz überlegte er, Cernd zu wecken und um ein paar Münzen zu ersuchen, um sich ein Frühstück zu besorgen. Aber er wagte es nicht. Der Jähzorn des riesigen Mannes war nicht zu unterschätzen. Das hatte er inzwischen gelernt. Naja... er hatte ja selbst noch ein paar Kupferstücke in der Tasche... Xian setzte Grallam ab, schlich leise aus dem Zimmer, wich geschickt einer im Gang liegenden Schnapsleiche aus und begab sich zur Küche.
Wenige Minuten später fand er sich mit drei großen Schüsseln voll gesüßtem Haferbrei wieder im Zimmer ein. Cernd war inzwischen auch wach... nun zumindest schlief er nicht mehr. Er saß auf dem Bett und blickte Xian leicht verschlafen und überrascht an.
"Guten Morgen!", flötete er dem Söldner betont fröhlich zu.
"Frühstück gefällig?"
Selbst Vandra lugte ein paar Zentimeter unter ihrer Decke hervor und äugte zu Xian herüber.
Schmunzelnd drückte er dem Krieger eine Schüssel in die groben Hände, schlenderte zu der Diebin hinüber und hielt ihr ebenfalls eine Schale entgegen.
"Nun trenn dich schon von deinem Kissen. Der Tag nähert sich bereits seiner elften Stunde. Konntest du etwas über den Verbleib unserer Fürstentochter herausfinden?"
11.7.06 19:22


Kapitel 2, 47.


"Der elften Stunde!" Vandra sprang sofort auf. Wach war sie zwar schon gewesen, als Xian im Bett neben ihr Lärm gemacht hatte, der Tote hätte wieder aufwecken können, aber sie hatte sich gewohnheitsmäßig wieder in sanftan Schlummer fallen lassen.
"Wenn der weg ist - den finden wir nie!", rief sie und warf beinahe die Schüssel, die neben ihr stand, um. "Essen können wir auch noch später. Du liebe Güte, ist es wirklich schon so spät?! Warum hat mich keiner geweckt?!", regte sie sich mehr über sich selbst als über die anderen auf.
Sie blieb an der Tür stehen, als ihr offenbar keiner folgte. "Bewegt euch, wir müssen los!", drängte sie ungeduldig.
23.7.06 21:26


Kapitel 2, 48.


Nachdem Xian und Cernd die Diebin eine Weile verständnislos angestarrt hatten, fand der Krieger seine Sprache wieder. "Moment mal. Wen zum Henker meint ihr? Wo sollen wir hingehen?" Langsam und noch etwas steif richtete er sich auf und verschränkte die Arme und machte damit klar, dass er nirgendwohin gehen würde, bevor er nicht wusste, worum es ging.
23.7.06 21:27


Kapitel 2, 49.


Das durfte doch nicht wahr sein. Da schliefen sie schon unnötig lang, da hielten sie sie nun auch noch weiter auf. Es war zum aus-der-Haut-fahren!
Mit einer gehörigen Portion Ungeduld und einem Hauch Selbstgefälligkeit antwortete Vandra: "Ich habe einen Informanten gefunden. Ein Priester des Helm, der ebenfalls nach Nalia sucht."
Sie musterte Cernd noch einmal und ergänzte dann nachdenklich: "Vielleicht sollten Xian und ich besser allein zu ihm gehen..."
23.7.06 21:43


Kapitel 2, 50.


Cernd runzelte die Stirn und musterte sie seinerseits. Konnte er diese beiden Chaoten wirklich allein lassen? Andererseits… Er blickte auf die Rüstungsteile an seinem Bett, derer er sich gestern Abend entledigt hatte. Um sie anzuziehen würde er sicher zu lange brauchen. Und unbeaufsichtigt hier lassen wollte er sie auch nicht. Er traute weder dem Gasthaus noch seinen Gästen.
"Vielleicht habt ihr recht. Ich werde hier bleiben und auf die Sachen aufpassen. Na dann beeilt euch." Er blickte zu dem Magier, der seufzend eine Finger in den Haferbrei steckte und diesen dann ableckte und danach eifrig nickte. Es dauerte nicht lange, bis die beiden aus dem Zimmer waren. Cernd war es recht. Er ließ sich erneut auf das Bett nieder und ließ sich sein Frühstück schmecken.
31.7.06 20:21


Kapitel 2, 51.


Vandra war zu gleichen Teilen froh, nicht in Cernds Begleitung durch die Straßen von Atkatla ziehen zu müssen, und sauer, dass er sie die ganze Arbeit allein tun ließ.
Bald betraten sie den Brückenbezirk und standen kurz darauf vor dem Eingang des Helmtempels. Vandra war noch nie im Tempel des Gottes der Wächter und Beschützer gewesen. So ließ sie ihren Blick erst einmal über die schwere Eichentür gleiten, in die kunstvolle Ornamente geschnitzt waren. Über der Tür war in großen, kalten Lettern ein Spruch gemeißelt:

"Helm sieht alles. Wisset dies und seid gerichtet."

Vandra zog die Hand, die sie gerade ausgestreckt hatte, um die Tür zu öffnen, so hastig wieder zurück, als hätte sie sich gerade irgendwo verbrannt. Was für ein unangenehmer Gedanke, immer und überall beobachtet zu werden. Wusste er wirklich alles?
"Äh...", wandte sie sich an Xian. "Nach dir." Mit einer einladenden Geste bedeutete sie ihm, einzutreten.
31.7.06 20:24


Kapitel 2, 52.


Als Vandra ihre Frage stellte, wurde Xian aus den Gedanken gerissen. Auf dem Weg hierher hatte er sich nicht besonders wohl gefühlt. Überall konnte das Auge eines Verhüllten Magiers lauern... war es in so einer Situation klug, den Tempel eines Gottes zu betreten, der alles sah?
Nun, ihm war nicht bekannt, dass Priester sich gerne mit Magiern abgaben. Aber... man wusste ja nie.
Er blickte Vandra mit großen Augen an. "Wieso ich? Ich äh... weiß doch gar nicht, nach wem wir suchen."
31.7.06 21:02


Kapitel 2, 53.


Vandra runzelte die Stirn. Musste er jetzt noch dumme Fragen stellen? Musste er sie so ansehen?!
"Taranis. Wir fragen uns einfach durch." Warum musste es aber auch ausgerechnet ein Priester des Helm sein? Ein Talosprieser, ein Priester des Oghma oder Mask, das hätte so schön einfach sein können. Vandra fühlte sich so beobachtet, als stünde Helm direkt hinter ihr.
"Ich... ich will nicht vorgehen. Ich geh sonst schon immer vor", erklärte sie ein wenig zickig.
31.7.06 21:10


Kapitel 2, 54.


Xian überlegte kurz. Eigentlich war es bis jetzt fast immer Cernd gewesen, der sich in vorderster Reihe gehalten hatte. Aber den konnten sie ja wohl schlecht holen.

"Eben drum! Du hast viel mehr Erfahrung darin, in vorderer Front zu stehen. Ich würde nur große Fehler machen. Geh du", meinte er fast weinerlich.
31.7.06 21:16


Kapitel 2, 55.


Vandra knurrte missmutig. "Na schön." Irgendwann mussten sie ja ohnehin hinein. Noch einmal holte Vandra mit der Hand aus, um die Tür zu öffnen.
Es ging nicht. Sie konnte sich nicht überwinden, die Klinke anzufassen. Verdrossen stemmte sie die Hand in die Hüfte und kratzte sich mit der anderen beiläufig an der Nase.
Dann kam ihr eine Idee. Mit erhobenem Zeigefinger meinte sie: "Lass uns eine Münze werfen!" Gewohnheitsmäßig glitt ihre Hand an die Hosentasche, in der sonst etwas Kleingeld war, als ihr wieder einfiel, dass die Tasche leer war. Noch einmal knurrte sie und klopfte auf die leere Tasche.
Fragend sah sie Xian an: "Du hast nicht zufällig eine Münze dabei?"
31.7.06 21:25





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